Wildbienen bevorzugen heimische Kost

FRAGEN UND ANTWORTEN - Regiosaatgut könnte bei Naturschutzaufgaben verpflichtend werden

Der Zweckverband Raum Kassel (ZRK) empfiehlt schon lange, zertifiziertes Saatgut aus der eigenen Region zu verwenden. Was es mit Regiosaatgut auf sich hat, erklären wir in einem Fragen und Antworten.

[In der Blog-Übersicht wird hier ein Weiterlesen-Link angezeigt]

Was ist Regiosaatgut?

Regiosaatgut kommt von heimischen Pflanzen aus der Region. Es geht allerdings nicht um die Art, sondern um das Genmaterial der Pflanze, erklärt Dr. Claus Neubeck vom ZRK, der zu diesem Thema zahlreiche Broschüren herausgebracht hat. Denn das Erbgut der Pflanze unterscheidet sich von Region zu Region. Wissenschaftler haben Deutschland in 22 Herkunftsgebiete aufgeteilt. Die Region eines Saatguts geht also über den Landkreis Kassel hinaus.

Warum ist Regiosaatgut besser?

Die Pflanzen aus einer Region sind besser an die Bedingungen vor Ort angepasst, erklärt Neubeck. Ein Löwenzahn an der Nordsee beispielsweise unterschiede sich von einem Löwenzahn in den Alpen. Ökologen vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle haben herausgefunden, dass aus regionalem Saatgut gezogene Wiesenpflanzen ortsfremden Artgenossen überlegen sind. Nutzt man kein heimisches Saatgut, entstehe eine Florenverfälschung.

Wer muss dieses Saatgut nutzen?

Laut Neubeck gilt die Regelung für Naturschutzmaßnahmen schon länger. Bisher gab es eine Übergangsregelung und Regiosaatgut war lediglich empfohlen – die genaue Ausgestaltung wird derzeit noch überprüft. Wenn also ein Landwirt oder die Gemeinde auf Feldwegen und Feldsäumen einsät, soll Regiosaat genutzt werden. Das kann auch gefördert werden, so Neubeck.

Wo gibt es das Saatgut?

In Deutschland gibt es unterschiedliche Hersteller, die beim Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten aufgelistet sind. Meist handelt es sich bei Regiosaatgut um Pflanzen, die mehrjährig sind und manche Sorten auch erst nach ein paar Jahren blühen, stellt Neubeck klar.

Macht Regiosaatgut auch im heimischen Garten Sinn?

Laut Neubeck auf jeden Fall. Wer das im Garten umsetzen will, kann auf Kräuter und Blumen, die man früher auf Wiesen sah, zurückgreifen, wie zum Beispiel die Margerite, die wilde Karde oder die blau blühende Wegwarte. Die vertragen allerdings keine regelmäßige Mahd, sagt Neubeck. Der Landkreis Kassel bietet außerdem eine Mischung Wildsaatgut für Privatleute für den Garten an. „Es ist eine ausgewogene Mischung, die auch fürs Auge schnell etwas bietet“, sagt Neubeck. Ansonsten empfiehlt er zu experimentieren. Normale Blühstreifensaaten seien meist ein- oder zweijährig im Gegensatz zu regionales, mehrjährigen Mischungen.

Wie wirkt sich das Regiosaatgut auf Tiere aus?

Regiosaatgut fördert die Artenvielfalt, so Neubeck. Auch Tiere seien besser an das Saatgut aus der Region angepasst. Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass Saatgut je nach Herkunft zu unterschiedlichen Zeiten blüht, was für Insekten mit ebenfalls kurzer Lebensdauer lebenswichtig sein kann.

Allerdings gehe es nicht um die Honigbiene, stellt Neubeck klar. „Das ist ein Haustier.“ Wichtig seien heimische Pflanzen vor allem für Insekten, die effizienter bei der Bestäubung sind, wie Wildbienen, von denen es rund 500 Arten gibt. Auch Schwebefliegen, die im Aussehen den Wespen ähneln, profitieren davon.

Infos: Samenmischungen des Landkreises liegen aus im Kreishaus, dem Kulturbahnhof und den Naturparkzentren Reinhardswald und Habichtswald.

Fördermöglichkeiten: https://biologischevielfalt.hessen.de/de/foerdermoeglichkeiten.html

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Unterschiedliches Erbgut: Die Acker-Witwenblume zeigt laut wissenschaftlichen Untersuchungen genetische Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland.

ARCHIVFOTOS: THOMAS HOFFMEISTER/ MICHAELA PFLUG

Dr. Claus Neubeck
Landschaftsplanung
Telefon: +49 (561) 1097024
E-Mail: E-Mail schreiben