Großhändler will nach Niestetal

Gemeinde möchte Gewerbegebiet Sandershäuser Berg um 15 Hektar erweitern

Niestetal - Niestetal gehen allmählich die Gewerbeflächen aus. Doch scheint eine Lösung in Sicht zu sein. So plant Bürgermeister Marcel Brückmann (SPD) nun das bislang 25 Hektar große, einst für 13 Mio. Euro von der Gemeinde Niestetal in Eigenleistung erschlossene, komunale Gewerbegebiet Sandershäuser Berg um weitere 10 bis 15 Hektar zu erweitern.

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Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Das Gewerbegebiet Sandershäuser Berg: Inzwischen ist auch die letzte Grünfläche zwischen SMA-Servicecenter und dem Solar-Park rechts im Bild vergeben. Die etwa 13 Hektar große Freifläche oberhalb des Servicecenters gehört SMA, die das Unternehmen als Ausweichfläche bevorratet.
FOTO: THOMAS MEDER

Kaum noch Gewerbeflächen

Am Sandershäuser Berg waren zuletzt nur noch drei Gewerbeflächen auf dem bislang unbebauten Areal gegenüber die Spedition Schmelz zu haben. Zwei von diesen Flächen sind inzwischen verkauft, der Verkauf der letzten Fläche steht notariell Ende April auf der Tagesordnung. Wie Bürgermeister Marcel Brückmann (SPD) mitteilt, wurden die Flächen an einen weiteren Solartechniker, an ein Unternehmen für Messtechnik sowie an einen Werkzeugbauer für Spritzgussformen verkauft.
Damit kann Niestetal aktuell nur noch auf wenige kleine Parzellen für Gewerbeansiedlungen in den Ortslagen Heiligenrode und Sandershausen zurückgreifen. bon

„Hintergrund ist, dass wir dort jetzt keine freien Flächen mehr zur Verfügung haben, sich dort aber trotzdem noch ein sehr interessantes Unternehmen ansiedeln möchte“, sagt Brückmann. Um welches Unternehmen es sich handelt, will Brückmann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Nur soviel: Es handele sich um einen regionalen Großhändler, der vor Ort eine Niederlassung mit Verkauf und Warenumschlag plane. „Mit diesem Unternehmen würden wir einen weiteren Gewerbesteuerzahler in der Größenordnung von etwa einer Millionen Euro pro Jahr gewinnen“, sagt Brückmann.

Aktuell stünde Niestetal noch nicht in Verhandlung mit dem Großhändler. Bislang liege allein der Wirtschaftsförderung Region Kassel eine entsprechende Anfrage vor. „Doch werden auch wir bald in die Unterlagen einsehen und einen ersten Ortstermin vereinbaren können“, sagt Brückmann.

Doch auch, wenn das Angebot für Niestetal noch so verlockend ist, will Brückmann vor allem die verkehrliche Mehrbelastung für Niestetal durch die Neuansiedlung in Grenzen halten. „Zudem möchten wir, dass eine PV-Anlage auf das Dach des Neubaus kommt, oder wenigstens eine Begrünung“.

Nicht zuletzt müsse der geplanten Flächenerweiterung noch die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Raum Kassel (ZRK) zustimmen. Erst wenn dort grünes Licht gegeben werde, könne eine entsprechende Änderung im Regionalplan erwirkt werden. Denn laut Regionalplan ist aktuell jede weitere Vergrößerung des Gewerbegebietes Sandershäuser Berg nur als interkommunales Gewerbegebiet zulässig.

„Diese Tatsache möchten wir auch keinesfalls aushebeln. Wir unterstützen die interkommunale Idee“, sagt dazu Brückmann. „Wir möchten lediglich noch ein kleines Stück an unser kommunales Gewerbegebiet dranhängen, um schnell auf die aktuelle Anfrage des Interessenten reagieren zu können“.

Theoretisch ist eine Ausweitung des Gewerbegebiets als interkommunale Fläche auf bis zu 126 Hektar Größe mitsamt Ausgleichsflächen für den Naturschutz und direktem Anschluss an die A 7 möglich. Jedoch erst - so sieht es der Regionalplan ebenfalls vor - wenn das Kasseler Gewerbegebiet Langes Feld erschöpft ist. Das ist aber noch nicht der Fall.

Kritik: SMA lässt Fläche brach liegen

Immer wieder in die Kritik gerät die seit acht Jahren brachliegende, rund 13 Hektar (17 Fußballfelder) große Freifläche des Solartechnikherstellers SMA im Gewerbegebiet Sandershäuser Berg - vor allem mit Blick auf die jüngst vom Niestetaler Gemeindeparlament beschlossene Anhebung des Gewerbesteuer-Hebesatzes von 400 auf jetzt 527 Punkte. „Unternehmen müssen mehr und mehr Steuern zahlen, und gleichzeitig liegt oben am Sandershäuser Berg seit Jahren eine riesige Fläche brach, die keine Gewerbesteuer ein bringt“, sagt unter anderem CDU-Fraktionschef Erich Schaumburg. Tatsächlich wollte der Solartechnikhersteller ursprünglich auf der 2011 erschlossenen Fläche eine weitere Produktionsstätte errichten, doch hatte die bis heute andauernde Solarkrise diese Pläne vorzeitig beendet. Niestetals Bürgermeister Marcel Brückmann (SPD) hält indessen nichts von den Vorwürfen. So habe SMA viel Geld nicht nur in die Herstellung der Fläche gesteckt, sondern auch in die Infrastruktur im Untergrund. „Der Boden ist voll mit Versorgungsleitungen für Wasser, Strom und Energie. Die Fläche ist vorbereitet für den Bau eines ganzen Fabrikkomplexes“. So sei die Fläche keinesfalls unbebaut, „auch wenn es so aussieht“, sagt Brückmann. Diese Tatsache entziehe auch dem Vorwurf die Grundlage, dass beim Verkauf der Fläche an SMA womöglich kein Rückkaufsrecht eingebaut worden sei, wenn die Fläche nicht binnen einer bestimmten Zeit bebaut worden ist. Dazu Brückmann: „Die Fläche ist bebaut. Sie ist schlicht Eigentum von SMA, wir können das Unternehmen nicht einfach enteignen.“ Nach Information der Verwaltung halte SMA die Fläche als sogenannte Konsolidierungsfläche vor. Soll heißen: Falls sich SMA irgendwann wegen der Solarkrise deutlich gesundschrumpfen und an anderen Stellen Standorte aufgeben muss, werde SMA seine Geschäfte allein auf Niestetal konzentrieren. bon