Energiewende einbeziehen

Zweckverband Raum Kassel will Gewerbe- und Wohngebiete klimafreundlicher planen

Kreis Kassel - Neue Wege in Sachen nachhaltiger Energieversorgung schlägt der Zweckverband Raum Kassel (ZRK) ein. „Hitzesommer, Starkregen, Wasserknappheit, Dürre in den Wäldern: Der Klimawandel ist in vollem Gange und wir müssen darauf reagieren“, sagt ZRK- Direktor Kai-Georg Bachmann. Aspekte wie Klimaschutz und erneuerbare Energien müssten künftig viel stärker auch bei der Entwicklungs- und Flächennutzungsplanung des ZRK im Raum Kassel einfließen.

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„Hessen will bis zum Jahr 2030 45 Prozent der Treibhausgase einsparen, bis 2050 sogar 90 Prozent“, sagt Bachmann. Zu schaffen sei das nur, wenn in allen Gesellschafts- und Lebensbereichen Energie möglichst effizient eingesetzt werde. Auch der Zweckverband als städtebaulicher Planungsverband für Kassel und seine zehn Mitgliedskommunen im Speckgürtel könne seinen Beitrag dazu leisten. „Die Notwendigkeit ist da, und inzwischen findet das Thema auch in der Bevölkerung sowie in der Politik eine breite Unterstützung.“

Einfließen könnten entsprechende Planungen und Vorgaben idealerweise in das Siedlungsrahmenkonzept 2030 (SRK), das derzeit vom ZRK fortgeschrieben wird. Im Siedlungsrahmenkonzept spielt die künftige Gewerbegebietsentwicklung wie auch die Wohnraumversorgung eine Rolle - erstmals auch mit Blick auf den gesamten Landkreis Kassel.

Ganz praktisch bedeutet das: Wohn- und Gewerbegebiete sollten künftig selbstverständlich Elemente wie Gründächer, Eigenstromnutzung durch Fotovoltaik oder Anbindung an den ÖPNV beinhalten.

„Jüngstes Beispiel ist das Wohnquartier Vellmar- Nord“, sagt Bachmann. Für das neue Baugebiet war ein Energie- und Quartierskonzept mit innovativen Ideen rezur Energieerzeugung, -speicherung und -versorgung durch den ZRK beauftragt worden. So wird dort erstmals ein Quartiersspeicher für lokal und regional erzeugten Strom installiert, der in Spitzenlastzeiten für die Bewohner die notwendige Energie bereitstellt. „Solche Erfahrungen lassen sich natürlich wieder auf weitere Wohnungsbauprojekte übertragen“, sagt Bachmann.

Auch andere Bereiche ließen sich unter der Maßgabe der Nachhaltigkeit planen. „Schlüssel ist hier Sektorenkopplung“, erklärt Bachmann. So könne lokal und regional produzierter Sonnen und Windstrom auch für die Mobilität und die Wärmeerzeugung genutzt werden. Leisten könnten das entsprechende Strukturen, moderne Technologien, Speicher und intelligente Energienetzwerke.

„Wir haben hier regionale Energieversorger, Wissenschaftler und kompetente Unternehmen genug, um solche Konzepte auf die Beine zu stellen“, sagt Bachmann. Vorhandenes Wissen müsse zusammengeführt und in entsprechende Entwicklungsprogramme gegossen werden. „Der Zweckverband steht hier als planerische Klammer für die Akteure zur Verfügung“, sagt Bachmann. „Warum soll unsere Region hier nicht eine Vorreiterrolle
übernehmen.“

bon

Nachhaltige Energieversorgung: Egal ob es um Mobilität, Wohnraum oder Gewerbe geht - der Zweckverband Raum Kassel will bei der Entwicklungs- und Flächennutzungsplanung neue Wege gehen.

FOTO: JULIAN STRATENSCHULTE/DPA

Kai Georg Bachmann
Verbandsdirektor
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Nachhaltige Energie
richtig verteilt

Sektorenkopplung bedeutet, dass nachhaltig erzeugte Energie - meist ist das Strom aus PV- und Windkraftanlagen - auch für Bereiche nutzbar gemacht wird, in denen es nicht so leicht ist, auf nachhaltige Energiequellen zurückzugreifen - zum Beispiel bei der Mobilität oder bei der Wärmeerzeugung.

Ein einfaches Beispiel ist die Wärmepumpe: Mit Hilfe von PV- oder Windstrom wird ein Wasserkreislauf angetrieben, der wiederum Erdwärme an die Oberfläche fördert, um damit eine Wohnung zu heizen. Das Verbrennen von Heizöl fällt damit weg. Ein anders Beispiel ist das E-Auto. Auch hier wird mit PV- oder Windstrom zunächst ein Akku aufgeladen, um damit dann wieder ein E-Auto antreiben zu können. Auch dadurch wird das Verbrennen von Benzin überflüssig. Die Energieversorgung verschiedener Sektoren lässt sich gut über intelligente Netzwerke steuern. Damit kann der Unsicherheitsfaktor bei der Erzeugung von Sonnen- und Windstrom ein gutes Stück aufgefangen werden. Mit andern Worten: Nachhaltig erzeugter Strom geht nicht mehr verloren, wenn zu viel davon da ist, weil er so umgelenkt werden kann, dass er doch noch einen Verbraucher findet. Ist zu wenig von ihm da, muss keine Anlage ausfallen, weil dann entweder eine Speichereinheit die Versorgung übernimmt, oder eben noch eine konventionelle Energiequelle wie ein Kraftwerk.

bon