Pendler-Radrouten stehen fest

Strecke von Vellmar nach Kassel wird bereits 2020 realisiert - Ergebnisse von Machbarkeitsstudie liegen vor

KREIS KASSEL. Die Routen für Raddirektverbindungen von Kassel nach Baunatal, Vellmar und Kaufungen bis Helsa stehen mitsamt Bauschritten und zu erwartender Baukosten jetzt fest. Am Mittwoch hatte Kai Georg Bachmann, Direktor des Zweckverbands Raum Kassel (ZRK), die Ergebnisse der vom Kasseler Planungsbüro LK Argus erarbeiteten Machbarkeitsstudie im Zuge der ZRK-Verbandsversammlung vorgestellt.

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Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). RADDIREKTVERBINDUNG HELSA - KAUFUNGEN - KASSEL

Insgesamt geht es dabei um bis zu 31,3 Kilometer Radweg und um bis zu 54,1 Mio. Euro Baukosten. „Das klingt nach viel Geld“, sagt Bachmann, „ist aber relativ“. Zum Vergleich: Mit der gleichen Summe lassen sich gerade einmal zwei Kilometer A44 von Kassel bis Wommen (A4) bauen.

„Mit der Studie haben wir nun eine wertvolle Grundlage für weitere Planungen in der Hand“, sagt Bachmann. Im Kern weise die Machbarkeitsstudie konkrete Lösungsansätze für die einzelnen Raddirektrouten aus. Jede der drei Linien von Kassel nach Baunatal, Vellmar und Kaufungen bis Helsa sind in Einzelabschnitte eingeteilt, für die jeweils definiert wurde, was planerisch, baulich und finanziell zu leisten ist, um den Kriterien von Raddirektrouten zu genügen. Der Vorteil dabei: Durch die Unterteilung der Routen in Einzelabschnitte lassen sich die Raddirektverbindungen von den Kommunen auch schrittweise realisieren, ohne dabei die Gesamtidee aus den Augen zu verlieren. 
 

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). RADDIREKTVERBINDUNG BAUNATAL - KASSEL

Routen für Berufspendler

„Diese Routen sollen für den Alltagsverkehr, vor allem aber auch für den Berufsverkehr zügig befahrbare, komfortable und sichere Verbindungen darstellen“, sagt Bachmann. Diese Routen seien in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen, dem ADFC, dem Land und mit Hessen Mobil erarbeitet worden. „Die Akzeptanz ist daher enorm und das Interesse seitens der Kommunen sehr groß, in den kommenden Jahren die Umsetzung der Raddirektverbindungen in Angriff zu nehmen“.

Zunächst sei die Realisierung der Route Kassel-Vellmar geplant. Grund: Die Linie weist bereits heute in weiten Teilen die geforderten Standards auf, sodass nicht mehr viel gebaut werden muss. „Die Kosten für diese Raddirektverbindung liegen bei nur 2,3 Mio. Euro“, sagt Bachmann. Schon im kommenden Jahr sollen hierfür die Ausführungsplanungen anlaufen, 2020 soll der Bau starten.
 

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). RADDIREKTVERBINDUNG VELLMAR - KASSEL

80 Prozent Förderung

„Grundsätzlich werden all diese Vorhaben vom Land zu 80 Prozent gefördert“, sagt Bachmann. Als Fördermittel stehen aktuell 13,5 Mio. Euro vom Land für Kommunen zur Verbesserung der Radinfrastruktur bereit (AGNH, siehe Hintergrund), zudem 8 Mio. Euro Bundesmittel sowie 5 Mio. Euro aus dem Landesstraßenbauprogramm - macht aktuell insgesamt 26,5 Mio. Euro pro Jahr für ganz Hessen (komplementäre Fördermittel aus anderen Programmen nicht mitgerechnet).

„Auf den ersten Blick scheint das nicht viel zu sein. Aber man muss auch bedenken, dass die Umsetzung solcher Projekte insgesamt mehrere Jahre erfordert“, ergänzt ZRK-Planerin Sandra Kambach. Als vergleichbares Vorhaben dieser Größenordnung gebe es derzeit nur den Bau einer Raddirektverbindung von Darmstadt nach Frankfurt.

„Grundsätzlich treten wir als Zweckverband in Sachen Raddirektverbindungen künftig als Planer und Koordinator für die Kommunen in Erscheinung“, sagt Bachmann. Klar sei auch, dass künftige Schritte stets auch vom politischen Willen vor Ort und von der Haushaltslage der einzelnen Kommunen abhinge. „Grundsätzlich ist es sehr zu Begrüßen, dass das nun vorliegende Konzept von allen beteiligten tädten und Gemeinden getragen und mit großen Interesse aufgenommen wird.“

Kai Georg Bachmann
Verbandsdirektor
Tel: +49 (561) 1097014
E-Mail: E-Mail schreiben

Hintergrund

Land ermöglicht Förderung

Vor gut zwei Jahren hat das Land Hessen die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen (AGNH) ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Nahmobilität in Hessen zu fördern. Nahmobilität heißt: Mobilität über kurze Distanzen (Quartier, Arbeits- oder Einkaufsumfeld). Nahmobilität wird daher in der Regel mit Fuß- und Fahrradverkehr gleichgesetzt.

Inzwischen zählt die AGNH über 200 kommunale Mitglieder. Als Schnittstelle zwischen regionaler Radverkehrsentwicklung (Radforum Region Kassel) und dem Verkehrsministerium fungiert die AGNH als Lobby, um vor dem Land Interessen geltend machen zu können. Das ist ein Novum, bislang mussten Kommunen meist selbst für Investitionen ins Radwegenetz aufkommen. bon

www.mobileshessen2020.de

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Raddirektrouten für den Alltags- und Pendlerverkehr von Kassel nach Baunatal, Vellmar und Kaufungen sollen die Situation für Radfahrer deutlich verbessern.

Foto: Arne Dedert/dpa-Bildfunk